Einige der verwegenen Insider innerhalb unserer Leserschaft werden wissen, dass Tim Lee schon vor zwanzig Jahren mit den in gewissen Kreisen legendären WINDBREAKERS musizierte und sich so eine kleine aber feine Gefolgschaft erspielte, die ihn bis heute als Songwriter und Gitarristen mit Kultstatus betrachtet.

Tim Lee selbst zeigt sich tatsächlich überrascht, wenn jüngere Musiker seine verblichenen WINDBREAKERS als ernstzunehmenden Einfluss benennen. Unglücklicherweise mündete diese durchaus hohe Akzeptanz bei Musikern, die sich durch die Gitarrenbands der Achtziger beeinflusst sehen, nicht unbedingt in entsprechend hohen Albumverkäufen, so dass sich Tim Lee bis heute mit seinem Independent-Status zufrieden geben muss. Was die Liebhaber des sogenannten gitarrenorientierten Power-Pop keineswegs stören wird, denn je höher der Grad der Unabhängigkeit desto freier, fruchtbarer und konsequenter die Umsetzung der angestrebten musikalischen Ziele.

Nachdem Tim Lees erstes Soloalbum ("Time will tell") bereits 1988 erschien und mit wohlwollendem Kritikerlob bedacht wurde, folgten 1989 und 1991 zwei weitere Veröffentlichungen, bevor Lee es Mitte der Neunziger vorzog eine Schaffenspause einzulegen, die er dann 2002 mit seinem vierten Solowerk "Under the house" beendete.

Konnte man "Under the house" noch halbwegs zielgerichtet den leicht diffusen Weiten des Americana bzw. Roots-Rock zuordnen, präsentiert sich Tim Lee auf seinem brandneuen Opus als gestandener Rocker, der die akustischen Gitarren aus seinem Repertoire verbannt hat, um mit quengelnden und zerrenden E-Gitarren einen absolut vintage, um nicht zu sagen rauen, Sound vorzulegen, der mit dem manchmal schludrigen, aber immer ehrlich gemeinten Garagenband-Status liebäugelt.
Entsprechend unbehauen und anfänglich auch etwas spröde daherkommende Songs, meistern ihren Weg zum Herzen des Hörers, durch ihre unaffektierte und entwaffnende Unbefangenheit im Umgang mit Komposition und Sound.

Wie es sich für diese Art von Rockmusik gehört, wurde der Grossteil des Songmaterials live im Studio eingespielt und bestätigt durch eben jenen Ansatz den erhofften und gewünschten Effekt, nämlich die packende und unmittelbare Präsenz einer mit Enthusiasmus arbeitenden Band. Die fehlende technische Brillianz wird durch verschwitzten und kumpelhaften Charme ausgeglichen. Sehr sympathisch.

Die Tatsache, dass Tim Lee sich verschiedenster Studios und diverser Produzenten bediente, u.a. Mitch Easter (R.E.M., PAVEMENT) und Don Coffey (SUPERDRAG), wirkt sich keineswegs negativ aus. Denn von Zerissenheit oder mangelnder Orientierung darf hier zu keiner Sekunde geredet werden, dafür waren sich alle Beteiligten wohl zu einig. Einig in dem Ziel eine unprätenziöse Rockplatte zu schaffen, die dem Liebhaber des traditionellen Songwritings eigentlich gefallen muss, denn hier ist kein wirklich schlechter Titel zu finden.

Gewöhnungsbedürftig sicherlich Tim Lees knarzige Un-Stimme, die sich irgendwo zwischen Steve Wynn und Lou Reed einpendelt, aber im Laufe des Albums eine gekonnte Allianz mit den Gitarrenbreitseiten eingeht.

Der eine oder andere Track erinnert in der Tat ein wenig an frühe R.E.M., Parallelen zu oben erwähntem Steve Wynn sind ebenfalls unverkennbar, ein Hauch von Rich Hopkins weht herüber und die dem Glam-Rock der Siebziger nicht unähnliche Nummer Speak up girl, hätte ein Ian Hunter sicherlich auch in seinem Programm unterbringen können.

Einem kurzen Abstecher in längst abgehakte Americana-Zeiten (New hope) folgen wieder solche omnipräsenten Rocker wie Keep me down oder der psychedelische Midtempo-Stomper Rain came down.

Ähnlich wie beim kürzlich besprochenem ROSAVELT Album, eine Angelegenheit die mit wachsender Lautstärke an Reiz gewinnt, weil eine rundum gelungene Rockplatte eben laut gehört werden will.

Tim Lees "No discretion" geht keine Kompromisse ein. Hier wird nicht grosskotzig gegaukelt, sondern im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten gute Arbeit abgeliefert. Und die hinterlässt Zufriedenheit.

Frank Ipach (Craving Hands), (Impressum, Artikelliste), 05.12.2004

VERY ROUGH TRANSLATION...

Some of the audacious insider within our readership will know itself that Tim lee played already twenty years ago with the WINDBREAKERS legendary in conscience circles and so a little however fine following erspielte that regards it until today as a Songwriter and guitarists with cult status.

Tim lee itself appears actually surprised if younger musicians its faded WINDBREAKERS name influence than a serious increase. Unfortunately this thoroughly high acceptance flowed see itself with musicians, whom through the guitar volume the eighties influenced, unconditionally in correspondingly high Albumverkäufen, so that Tim lee not satisfied must give itself until today with its Independent-status. What the lovers of the so-called gitarrenorientierten Power-chirped will disturb in no way, for the more highly the degree of the independence the freer, more fruitfully and more consistently the conversion of the desired musical goals. After Tim lee appeared first solo album (" Time wants tell") to already 1988 and was considered with benevolent critic praise, followed preferred 1989 and 1991 two further publications, before lee it middle of the ninetieses to insert a Schaffenspause, that it concluded then 2002 with its fourth solo work "Under the house".

One could "Under the house" yet half-way purposefully the easily diffuse expanses of the Americana and/or Roots-skirt assign, Tim lee does not present ogles itself on its brand-new opus as stood skirts, that banished the acoustic guitars out of its repertoire, around with quengelnden and tugging E-guitars one absolutely vintage to say around rauen to produce Sound, that with that sometimes schludrigen, but always honestly meant garages volume-status. Corresponding to unbehauen and initially also somewhat brittly daherkommende singe, master its way to the heart of the listener, through its unaffektierte and disarming impartiality in the contact with composition and Sound. How it is appropriate for this type of rock music, the large part of the Songmaterials was balanced out live in the studio and confirmed through even that extension the hoped for and desired effect, namely the thrilling and direct presence of a volume working with enthusiasm. The missing technical Brillianz becomes forgot through and balanced chummy charm. Very sympathetic.

The fact that Tim lee made use of most deceased studio and various maker, among other things Mitch Easter (R.E.M., PAVEMENT) and Coffey (SUPERDRAG) served, causes itself in no way negatively from. For of Zerissenheit or lacking orientation may be spoken here to no second, were itself for that all participants well too united. To create united in the goal an unprätenziöse skirt disk, that actually must please the lover of the traditional Songwritings, for here no really bad title is to be found. Habituation needy certainly Tim lee knarzige Un-voice, that levels off itself somewhere between Steve Wynn and Lou Reed, but in the course of the album one alliance with the Gitarrenbreitseiten was able to go in.

The one or other Track reminded are not avenged blows in the deed a few of early R.E.M., parallel to Steve Wynn mentioned above also unmistakable, a breath by Hopkins across and the number unlike the Glam-skirt the seventies Speak up girl, would have been able to accommodate an Ian Hunter certainly also in its program.

Again such omnipräsenten skirts follow a short side trip into a long time checked off Americana-times (New hope) as well as Keep me down or the psychedelische Midtempo-Stomper Rain came down. Similar to in the ROSAVELT album discussed recently, a matter that with growing volume at attraction wins because an all around gelungene skirt disk wants to be heard just loudly.

Tim lee "No discretion" goes in no compromises. Here grosskotzig is not fluttered, but rather is delivered in the frame of the available possibilities good work. And that leaves behind contentment.